Ratgeber
Franchise der Krankenkasse: Welche wählen (mit Break-even-Punkt)
7 Min. Lesezeit
Entwurf
Eine höhere Franchise senkt die Prämie, erhöht aber das, was du selbst zahlst, wenn du dich behandeln lässt. Die richtige Frage ist nicht «Welche Franchise hat die tiefste Prämie?», sondern «Wie viel gebe ich in einem normalen Jahr wirklich für Behandlungen aus?». Hier findest du die offiziellen Regeln, eine Tabelle mit den tatsächlichen Kosten zu deinen Lasten und eine Methode, den Break-even-Punkt zu finden.
Die Regeln in Kürze
Erwachsene
- Ordentliche Franchise: CHF 300. Wählbar sind: CHF 500, 1’000, 1’500, 2’000 und 2’500. Die Kassen müssen nicht alle anbieten.
- Über die Franchise hinaus zahlst du 10 % der Kosten, höchstens CHF 700 pro Jahr (Selbstbehalt).
- Im Spital zahlst du zusätzlich CHF 15 pro Tag. Davon befreit sind Minderjährige, junge Erwachsene bis 25 Jahre in Ausbildung und Frauen für Mutterschaftsleistungen.
Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren)
- Ordentliche Franchise: CHF 0. Wählbar sind: 100, 200, 300, 400, 500 und 600.
- Selbstbehalt: höchstens CHF 350 pro Jahr.
Mutterschaft: Ab der 13. Schwangerschaftswoche bis 8 Wochen nach der Geburt zahlst du keine Kostenbeteiligung, auch nicht für Krankheiten, die nichts mit der Schwangerschaft zu tun haben.
Unfälle: Franchise und Selbstbehalt gelten auch für Unfallleistungen, die von der Krankenversicherung gedeckt sind.
Der Prämienrabatt ist gesetzlich begrenzt (er darf 70 % des übernommenen zusätzlichen Risikos nicht übersteigen): Deshalb ist nicht garantiert, dass sich eine hohe Franchise lohnt.
Wie viel du wirklich selbst zahlst
Die Tabelle zeigt für jede Höhe der von der Grundversicherung gedeckten Gesundheitskosten in einem Jahr, wie viel zwischen Franchise und Selbstbehalt zu deinen Lasten bleibt (Erwachsener, ohne den täglichen Spitalbeitrag).
| Kosten in einem Jahr | Franchise 300 | 500 | 1’000 | 1’500 | 2’000 | 2’500 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| CHF 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| CHF 500 | 320 | 500 | 500 | 500 | 500 | 500 |
| CHF 1’000 | 370 | 550 | 1’000 | 1’000 | 1’000 | 1’000 |
| CHF 2’000 | 470 | 650 | 1’100 | 1’550 | 2’000 | 2’000 |
| CHF 3’000 | 570 | 750 | 1’200 | 1’650 | 2’100 | 2’550 |
| CHF 5’000 | 770 | 950 | 1’400 | 1’850 | 2’300 | 2’750 |
| CHF 8’000 | 1’000 | 1’200 | 1’700 | 2’150 | 2’600 | 3’050 |
| CHF 10’000 oder mehr | 1’000 | 1’200 | 1’700 | 2’200 | 2’700 | 3’200 |
Die letzte Zeile ist dein schlimmster Fall: Franchise plus CHF 700. Mit der Franchise von 300 gibst du nie mehr als CHF 1’000 aus (plus allenfalls den Spitalbeitrag); mit der von 2’500 nie mehr als CHF 3’200.
Der Break-even-Punkt
Der Unterschied in den Ausgaben zwischen zwei Franchisen ist nie grösser als der Unterschied zwischen den Franchisen selbst, weil der maximale Selbstbehalt (CHF 700) für alle gleich ist. Zwischen 300 und 2’500 beträgt der maximale Unterschied zum Beispiel CHF 2’200 pro Jahr.
Daraus folgt eine praktische Regel:
Eine höhere Franchise lohnt sich, wenn die Prämienersparnis in einem Jahr das übersteigt, was du mit dieser Franchise mehr ausgeben würdest. Ist die Prämienersparnis mindestens so hoch wie der Unterschied zwischen den beiden Franchisen, kannst du nie verlieren.
Ist die Ersparnis dagegen kleiner, gibt es eine Kostenhöhe, ab der die tiefe Franchise günstiger ist. Für den Vergleich zwischen der Franchise von 300 und der von 2’500:
| Prämienersparnis pro Jahr | Die tiefe Franchise lohnt sich, wenn die Kosten übersteigen |
|---|---|
| CHF 500 | rund CHF 860 |
| CHF 1’000 | rund CHF 1’410 |
| CHF 1’500 | rund CHF 1’970 |
| CHF 2’200 oder mehr | nie: Mit der hohen Franchise kannst du nicht verlieren |
Ein durchgerechnetes Beispiel
Die Prämien sind erfunden: Deine findest du in der Offerte oder im offiziellen Vergleichsportal.
- Mit Franchise 300 beträgt die Prämie CHF 400 pro Monat (CHF 4’800 pro Jahr).
- Mit Franchise 2’500 beträgt sie CHF 280 pro Monat (CHF 3’360 pro Jahr): Du sparst CHF 1’440.
| Kosten in einem Jahr | Total mit 300 | Total mit 2’500 | Günstiger |
|---|---|---|---|
| CHF 0 | 4’800 | 3’360 | 2’500 |
| CHF 1’000 | 5’170 | 4’360 | 2’500 |
| CHF 1’900 | 5’260 | 5’260 | gleich |
| CHF 3’000 | 5’370 | 5’910 | 300 |
| CHF 10’000 | 5’800 | 6’560 | 300 |
Mit diesen Prämien liegt der Break-even bei rund CHF 1’900 Behandlungskosten pro Jahr. Wenn du erwartest, darunter zu bleiben, spart dir die hohe Franchise Geld; wenn du diesen Betrag oft überschreitest, kostet sie dich mehr. Das Risiko ist nicht symmetrisch: Im schlechtesten Jahr zahlst du mit der hohen Franchise bis zu CHF 2’200 mehr, also brauchst du eine Reserve (siehe den Leitfaden zur Notfallreserve).
So entscheidest du
- Schau dir die Ausgaben der letzten Jahre an: Rechnungen und Abrechnungen der Kasse. Es zählt nur, was die Grundversicherung gedeckt hat.
- Denk an das kommende Jahr: geplante Behandlungen, Eingriffe, laufende Therapien. Eine Schwangerschaft ist von der Kostenbeteiligung befreit.
- Suche die echten Prämien: Im offiziellen Vergleichsportal des BAG findest du die Prämien nach Franchise, Modell und Kasse.
- Berechne den Break-even mit deinen Zahlen, wie im Beispiel, oder mit dem Tool.
- Prüfe, ob du eine Reserve hast für den schlimmsten Fall.
Denk daran, dass die Wahl für das ganze Jahr gilt: Du kannst die Franchise nur mit Wirkung ab Beginn eines Kalenderjahres ändern (siehe den Leitfaden zum Kassenwechsel).
Im Auge behalten
Heute beträgt die ordentliche Franchise CHF 300. Der Bundesrat hat am 13. März 2026 nach einer vom Parlament angenommenen Motion eine Vernehmlassung eröffnet, um sie auf CHF 400 zu erhöhen. Kinder bleiben befreit. Das Datum des Inkrafttretens ist nicht bekannt: Prüfe die geltenden Regeln, wenn du wählst.
Die häufigsten Fehler
- Die höchste Franchise wegen der tiefsten Prämie wählen, ohne eine Reserve zu haben.
- Den Selbstbehalt vergessen: Über die Franchise hinaus zahlst du weiterhin 10 % bis zu CHF 700.
- Die Kassen nicht vergleichen: Die Prämie für dieselbe Franchise ist von Kasse zu Kasse verschieden.
- Kosten mitzählen, die die Grundversicherung nicht deckt: In der Tabelle gelten nur gedeckte Behandlungen.
Dieser Leitfaden ist eine allgemeine Information und ersetzt keine persönliche Beratung.
Quellen
Geprüft am 07.10.2026.
Autor: MP · Aktualisiert am
Die angezeigten Werte und Beträge stammen aus öffentlichen Quellen im Internet, die immer transparent angegeben sind. Im gesetzlich zulässigen Rahmen übernehmen wir keine Verantwortung für ihre Richtigkeit oder Aktualität: Prüfe sie vor einer Entscheidung immer bei der offiziellen Quelle.